Pensionsrückstellungen: neue Abzinsungsregelung richtig nutzen

Pensionsrückstellungen: neue Abzinsungsregelung richtig nutzen

Durch das Gesetz zur Umsetzung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie und zur Änderung handelsrechtlicher Vorschriften wurden die Bewertungsparameter für Pensionsrückstellungen nun handelsrechtlich angepasst (siehe ACCO-NEWS vom 16.03.2016).

Nach der Neufassung des § 253 HGB können Pensionsrückstellungen bereits in der Bilanz per 31.12.2015 mit einem Zinssatz abgezinst werden, der sich aus dem durchschnittlichen Marktzinssatz der letzten zehn Jahre ermittelt. Dadurch werden drei "Hochzinsjahre" bei der Durchschnittsberechnung mit einbezogen, womit sich der Abzinsungssatz leicht erhöht und die zu bildende Pensionsrückstellung niedriger ausfällt als zuvor. Bisher mussten Pensionsrückstellungen in der Bilanz mit dem durchschnittlichen Marktzinssatz abgezinst werden, der sich auf Basis der letzten sieben Jahre ermittelte. Steuerlich bleibt es beim bisherigen fixen Abzinsungssatz von 6%.

Praxistipp:

  • Die positivere Darstellung der Bilanz durch Ansatz der Neuregelung bereits per 31.12.2015 sollten insbesondere auch wirtschaftlich schwächere Unternehmen überlegen, um die Zuführung zu den Pensionsrückstellungen möglichst gering zu halten. Auch zur Verbesserung der Kennzahlen per 31.12.2015 kann die Neuregelung genutzt werden. Hierbei muss aber einkalkuliert werden, dass sich die Kosten für das Pensionsgutachten erhöhen werden, da zwei Berechnungen durchzuführen sind.
  • Im Anhang ist eine Vergleichsrechnung darzustellen, aus der sich die Höhe der Pensionsrückstellung nach altem und neuem Recht ergibt. Banken werden für Ratingzwecke vermutlich darauf zurückgreifen. Zudem gilt eine Ausschüttungssperre für die Erträge, die sich aus der Anwendung der Neuregelung ergeben.
  • Es gilt auch zu beachten, dass bei einem weiterhin niedrigen Zinsniveau sich die Vorteile des neuen Durchschnittszinssatzes auf Basis der letzten zehn Jahre wohl bereits in 2019 wieder relativieren werden, da die nun hinzukommenden drei "Hochzinsjahre" bis dahin durch "Niedrigzinsjahre" abgelöst werden. Aufgrund dessen wird die Neuregelung keinen langfristig positiven Effekt auf die Bilanz haben.

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